Geschichte der PLM-Plakate, 1880-1938: die Gesellschaft, die das moderne Reiseplakat erfand
Die vollständige Geschichte der Compagnie des Chemins de fer Paris-Lyon-Méditerranée und der Plakatkünstler, die die Bildsprache des französischen Plakats zwischen 1880 und 1938 geprägt haben. Hugo d'Alesi, Roger Broders, Cassandre, Albert Brenet.
Das Wichtigste
- 76 Poster aus der Kollektion Côte d'Azur Poster, die 20 aus dem Artikel in der Tabelle unten.
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Die Tabelle
Die 20 Poster auf einen Blick

Die 1857 gegründete Eisenbahngesellschaft Paris-Lyon-Méditerranée prägte zwischen 1880 und 1938 die Geschichte des französischen Plakats. 5.000 beauftragte Plakate, Dutzende beteiligte Illustratoren und ein einziges Ziel: die Pariser von der Côte d'Azur, den Alpen und der Provence träumen zu lassen.
Von Henri Tanconville über die ersten Art-déco-Illustratoren bis zu Roger Broders, der in den 1920er und 1930er Jahren den Großteil davon gestaltete. Die PLM-Gesellschaft entwickelte das, was man heute eine starke grafische Identität nennen würde: Vertikalität, satte Farbpaletten, stilisierte Landschaften, monumentale Typografie.
Unser Katalog würdigt dieses Erbe. Entdecke unsere Berg-Poster, Côte d'Azur oder Provence, direkt inspiriert von den PLM-Originalen.
Die PLM, eine Eisenbahngesellschaft, die Grafikgeschichte schrieb
Wenn du Poster von der Côte d'Azur oder aus den Alpen magst, siehst du dir wahrscheinlich, ohne es zu wissen, das Erbe einer einzigen Eisenbahngesellschaft an, der PLM. Zwischen 1880 und 1938 hat die Compagnie des Chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée die größte Serie von Reiseplakaten geschaffen, die es je gab. Mehr als 500 signierte Plakate und eine Bildsprache, die bis heute prägt, was man als Ästhetik des französischen Plakats bezeichnet.
Hier ist die Geschichte dieser Gesellschaft, der Illustratoren, die ihre Plakate gestaltet haben, und der grafischen Revolution, die sich zwischen den 2 Weltkriegen in ihren Ateliers abspielte.
1857-1880, die Geburt der Gesellschaft, die Paris mit dem Mittelmeer verbinden sollte
Die Compagnie des Chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée entsteht 1857 aus dem Zusammenschluss von 3 älteren Gesellschaften. Ihr Netz deckt damals das südöstliche Viertel Frankreichs ab. Ihre Hauptstrecke Paris-Lyon-Marseille wird um die Jahrhundertwende zur rentabelsten Europas, getragen vom Badetourismus an der Côte d'Azur und vom Kurtourismus im Zentralmassiv.
Anfangs kommuniziert die PLM nüchtern, mit langweiligen Typografie-Plakaten und Fahrplänen, die im Bahnhof aushängen. Doch ab den 1880er Jahren erkennt sie, dass sie ihre Züge nur füllt, wenn sie Träume weckt. Sie beauftragt professionelle Plakatkünstler mit den ersten farbigen Illustrationen.
1880-1914, das Zeitalter der Pioniere (Hugo d'Alesi und Frédéric Hugo d'Alesi)
Der erste große PLM-Plakatkünstler hieß Frédéric Hugo d'Alesi (1849-1906). Der in Paris lebende Rumäne schuf zwischen 1885 und 1905 mehrere hundert Plakate für die PLM, aber auch für die Compagnie de l'Est und die Chemins de fer du Nord. Sein Stil gehört zum Orientalismus und Realismus: detailreiche Landschaften, kostümierte Figuren, natürliche Farben.
D'Alesi ist der Archetyp des Plakatkünstlers der Belle Époque. Seine Côte-d'Azur-Plakate (Hyères 1908, Cannes 1900, Monaco 1895) nehmen bereits die Bildsprache vorweg, die Roger Broders 20 Jahre später perfektionieren wird: Blick von oben auf die Bucht, Palmen als Silhouetten, menschliches Motiv im Kostüm.
Nach seinem Tod im Jahr 1906 bestellt die PLM weiter Plakate bei Dutzenden Illustratoren (Misti, Henri Tanconville, Géo Dorival), doch die visuelle Identität bleibt zersplittert. Erst 1922 vereinheitlicht ein einziger Illustrator die Bildsprache.
Das Poster zu dieser Textstelle
Poster Café-Terrasse am Abend auf dem Quai von Cassis mit seinem Schloss
ab 19,95 €
1922-1932, die Ära Roger Broders
1922 schließt die PLM einen nahezu exklusiven Vertrag mit Roger Broders. 10 Jahre lang zeichnet er rund hundert Plakate, die die moderne PLM-Identität prägen. Um Broders' besonderen Beitrag zu verstehen, lies unseren ausführlichen Artikel über Roger Broders, den Illustrator, der das Frankreich der 1920er Jahre verklärte.
Typisch für die Broders-Ära sind die vereinheitlichte Farbpalette (Terrakotta, Ocker, tiefes Blau), die Vereinfachung der Formen (stilisierte Farbflächen, weiche Geometrie) und eine Figur im Vordergrund, die zum Betrachten einlädt. Der Reisende blickt mit dem Rücken zu uns auf die Landschaft, und wir versetzen uns in ihn hinein.
Die Kerndestinationen der Broders-Ära
Die mediterrane Côte d'Azur. Cassis, Bandol, La Ciotat, Sainte-Maxime, Saint-Raphaël, Antibes, Monaco, Menton. Mehr als 30 Plakate zwischen 1925 und 1932. Das ist Broders' Paradeterritorium und jenes, das die kollektive Vorstellungswelt am stärksten geprägt hat.
Die Alpen im Winter. Chamonix, La Clusaz, Megève, Saint-Gervais. Rund zwanzig Plakate, die den Skisport der Vorkriegszeit populär machen. Schlanke Figuren in Jacquard-Pullovern, stilisierte Gletscher, violettes Gletscherlicht.
Die Provence und die Camargue. Avignon, Aix, Les Baux, Arles, Saintes-Maries-de-la-Mer. Rund zehn Plakate, die die touristische Provence der 1920er Jahre in Szene setzen, noch vor dem Massentourismus.
1925 bis 1938, die andere PLM-Schule (Roger de Valerio, Pierre Commarmond, Albert Brenet)
Roger de Valerio, der Elegante
Während Broders seine Côte-d'Azur-Plakate schafft, gestaltet Roger de Valerio (1886-1951) für die PLM mondänere, sportlichere und maritime Plakate. Sein Stil ist realistischer, seine Figuren sind feiner. Er entwirft Plakate für die Pferderennen in Cannes, die Regatten von Monaco und die Casinos der Côte d'Azur.
Pierre Commarmond, der Savoyer
Pierre Commarmond (1897 bis 1983) signiert vor allem Alpenplakate für die PLM (Megève, Chamonix, La Clusaz). Seine Palette ist klarer, seine Figuren sind dynamischer als die von Broders. Er steht für die andere Seite des PLM-Alpenplakats.
Albert Brenet, der Seemann
Albert Brenet (1903-2005) gestaltet die letzte Generation von PLM-Plakaten vor der Fusion mit der SNCF im Jahr 1938. Er ist spezialisiert auf maritime Plakate (Ozeandampfer, Mittelmeerkreuzfahrten für die Compagnie Paquet, die mit der PLM verbunden war), und sein Stil kündigt bereits die Nachkriegszeit an.
Das Poster zu dieser Textstelle
Poster mediterrane Terrasse und Bec de l'Aigle in La Ciotat
ab 19,95 €
1938: das Ende der PLM und die Geburt der SNCF
Am 1. Januar 1938 werden die 5 großen französischen Privatgesellschaften (PLM, Nord, Est, État, Paris-Orléans) verstaatlicht und zur SNCF zusammengeschlossen. Die PLM verschwindet verwaltungstechnisch, doch ihre Plakate werden aus Gewohnheit noch einige Jahre weitergedruckt.
Die neue SNCF erbt die Hunderte lithografischen Druckplatten der PLM und nutzt sie bis in die 1950er Jahre. Viele sogenannte PLM-Plakate in heutigen Touristenläden sind in Wahrheit späte SNCF-Nachdrucke, was ihre unklare Datierung erklärt.
Warum die PLM-Bildsprache das Plakat bis heute prägt
Fast ein Jahrhundert nach dem Ende der Gesellschaft prägt die Bildsprache der PLM noch immer alles, was wir heute als französisches Plakat bezeichnen.
Die Farbfläche. Aus der kommerziellen Lithografie übernommen, bleibt die Farbfläche das visuelle Markenzeichen des Plakats. Keine fotografischen Verläufe, keine komplexen Texturen, nur große Flächen in satter Farbe.
Die Palette aus Terrakotta und Nachtblau. Die PLM-Palette (Terrakotta, Ocker, tiefes Blau, Olivgrün, Creme) ist die am häufigsten kopierte. Du findest sie auf Covern von Einrichtungsmagazinen, auf Verpackungen handwerklicher Produkte und in den Schaufenstern von Touristenläden.
Die Figur als Einladung ins Bild. Die Technik, eine Figur von hinten zu zeigen, die auf die Landschaft blickt, wird von zeitgenössischen Illustratoren in der Tradition von Broders bis heute massiv genutzt.
Das Poster zu dieser Textstelle
Poster kleiner Hafen an der Côte d'Azur, Häuser und Segelboote
ab 19,95 €
Den PLM-Geist zu dir nach Hause holen
Die PLM-Ästhetik passt besonders gut zu 3 Einrichtungsstilen.
Die Pariser Haussmann-Altbauten. Die hohen Wände (3 m+) tragen Poster in A1 oder A2 im Querformat. Hochformat für Reiseziele mit starker Vertikalität (Mont-Saint-Michel, Eiffelturm) oder Querformat für mediterrane Panoramen (Cassis, Bandol).
Provenzalische Häuser oder mediterrane Villen. Sichtbare Steinmauern oder ockerfarbener Putz passen perfekt zur PLM-Palette. Gestalte eine Wand aus 3 bis 5 Postern rund um deine Herkunftsregion oder deine Herzensregion.
Moderne skandinavische Einrichtung. Der Kontrast zwischen skandinavischem Minimalismus in hellem Holz und der farbenfrohen Fülle der PLM erzeugt eine eindrucksvolle visuelle Spannung. Ein einzelnes großes A1-Poster an einer hellen Wand, mit stilisiertem Motiv.
Die PLM-Reiseziele als Brunelia Poster entdecken
Alle unsere Kollektionen mediterraner Städte folgen der Bildsprache der PLM. Cassis, Bandol, La Ciotat, Côte d'Azur, Provence, Marseille: Jedes Poster wird in direkter Nachfolge der großen PLM-Plakatkünstler gestaltet, mit einer Palette aus Terrakotta und tiefem Blau, stilisierten Figuren und weicher Geometrie.
Wenn du mehr über die Illustratoren selbst erfahren möchtest, lies Roger Broders und Cassandre.
Zur Vorbereitung deiner Bestellung findest du die Maße auf der Produktseite des gewählten Posters, außerdem unsere Lieferbedingungen und unsere Rückgabebedingungen.
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Häufige Fragen
Das fragst du uns oft
Was ist die PLM?
Die 1857 gegründete Compagnie des Chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée (PLM) betrieb das Schienennetz im Südosten Frankreichs, bis sie 1938 verstaatlicht und in die SNCF eingegliedert wurde. Ihre Werbeabteilung produzierte zwischen 1880 und 1938 mehr als 500 Reiseplakate.
Welche Illustratoren haben für die PLM gearbeitet?
Hugo d'Alesi (1880-1906), Misti, Henri Tanconville, Géo Dorival und vor allem Roger Broders (1922-1932), Roger de Valerio, Pierre Commarmond und Albert Brenet (1925-1938). Roger Broders bleibt mit rund hundert Côte-d'Azur-Plakaten der bekannteste.
Welche Farbpalette ist typisch für die PLM-Plakate?
Terrakotta, Ocker, tiefes, fast mattes Blau, Olivgrün und Creme. Nie leuchtendes Türkis, nie sattes Gelb. Diese Palette aus Terrakotta und Nachtblau prägt die DNA des französischen Plakats.
Was sind originale PLM-Plakate wert?
500 bis 25.000 Euro, je nach Illustrator, Jahr, Erhaltungszustand und Seltenheit. Broders-Plakate von 1925 bis 1932 (Cassis, Bandol, La Ciotat) erzielen regelmäßig 5.000 bis 15.000 Euro. Spitzenstücke wie „Normandie“ von Cassandre erreichen bis zu 80.000 Euro.
Warum beeinflusst die Formensprache der PLM das Plakat noch heute?
Die Farbfläche, die Palette aus Terrakotta und tiefem Blau, die Rückenfigur als Einladung ins Bild und die weiche Geometrie sind zu einer gemeinsamen Bildsprache aller zeitgenössischen Studios geworden, die französische Poster gestalten.
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